Kann mein Tier hören ? - Messung akustisch evozierter Potentiale

Die Ableitung von akustisch evozierten Potentialen (AEP) dient der objektiven Beurteilung des Hörvermögens. Sie ist ein Teil der audiologischen Diagnostik und ist, abgeleitet aus der Humanmedizin, nun auch seit einigen Jahren fester Bestandteil in der Veterinärmedizin. Während die Beurteilung subjektiver Hörtest mittels Auswertung des Reaktionsvermögens der Tiere auf akustische Reize die Mitarbeit und Kooperation der vierbeinigen Patienten voraussetzt und nicht immer zu eindeutigen Ergebnissen führt, ermöglicht die Messung der AEP`s eine objektive Aussage über das Hörvermögen. Die Messung der akustisch evozierten Poteniale beim Tier erfolgt häufig in Sedation, da der Patient für längere Zeit still und ohne bewusste Muskelbewegung auf dem Tisch liegen sollte, was nur in seltenen Fällen von den Hunden und Katzen ohne Ruhigstellung toleriert wird. Die Messung ist schmerzfrei für das untersuchte Tier, es werden dabei mehrere Elektroden am Kopf positioniert, von denen die elektrischen Potentiale der Hörbahn abgeleitet werden, des weiteren bekommen die Tiere Kopfhörer oder Ohrstöpsel in beide Ohren. Während der Messung werden nun über die Ohrstöpsel selektiv jedem Ohr in definierter Lautstärke akustische Reize zugeführt und gleichzeitig die im Kopf entstehenden Potentiale gemessen. Ein Computer verrechnet welche Potentiale zeitgleich mit dem akustischen Reiz auftreten, dabei wird eine Mittelung von vielen Reizen (500-1000 oder auch mehr) aufsummiert und die entstehende Kurve folgt einem spezifischen Muster. So erhält man eine Kurve bestehend aus den Reaktionen der Nerven vom Hörnerv bis zur Hörrinde und kann zum einen eine Aussage treffen, ob das untersuchte Tier auf beiden Ohren hören kann und zum anderen, durch Messungen verschiedener Lautstärken, kann eine Aussage über die Hörschwelle getroffen werden. Spezialisten vermögen aus dem Kurvenverlauf auch auf differenzierte Erkrankungen der nervalen Hörbahn zu schließen.

Der Hörprozess beim Mensch und bei unseren Haustieren ist ein sehr komplexer Vorgang aus einer Verknüpfung von physikalisch Vorgängen bei der Übertragung des Schalls aus der Luft durch das Außenohr bis hin zum Trommelfell, dort erfolgt eine Transformation zu einer mechanischen Übertragung durch das Mittelohr und das Innenohr, um dort eine Umwandlung zur Nervenleitung zu erfahren. Erst ab dort mit dem Beginn der nervalen Verarbeitung des akustischen Reizes setzt die Messung der AEP`s an. Wenn der vorher abgelaufene Prozess schwer gestört ist, können keine Kurven gemessen werden. Häufigstes Einsatzgebiet der AEP in unserer Klinik ist die Beurteilung der kongenitalen Taubheit verschiedener Hunderassen (insbesondere beim Dalmatiner) schon im Welpenalter und die Beurteilung des Hörvermögens bei klinisch auffälligen Hunden mit einer möglichen Taubheit anderer Genese (Infektionen, Alter, etc).